Eröffnungskonzert

Datum21 Aug. '26
Uhrzeit
19:30 — 22:00
Spielort

Programm

Klaviertrios von Mendelssohn und Schostakowitsch

Zwei Meisterwerke der Klaviertrioliteratur eröffnen vielklang 2026: Mendelssohns leidenschaftliches c-Moll-Trio op. 66 trifft auf Schostakowitschs erschütterndes Klaviertrio e-Moll op. 67 – Musik zwischen dramatischer Energie, inniger Lyrik und existenzieller Tiefe.

  1. Felix Mendelssohn

    Klaviertrio Nr. 2, c-moll, op. 66

    • Allegro energico e con fuoco
    • Andante espressivo
    • Molto Allegro quasi Presto
    • Allegro appassionato
  2. Dmitry Schostakowitsch

    Klaviertrio Nr. 2, e-moll, op. 67

    • Andante – Moderato
    • Allegro con brio
    • Largo
    • Allegretto
    • Alle Programmdetails anzeigen

      Mit zwei großen Werken der Klaviertrioliteratur eröffnet vielklang 2026 am 21. August sein diesjähriges Festival. Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio Nr. 2 c-Moll op. 66 und Dmitri Schostakowitschs Klaviertrio Nr. 2 e-Moll op. 67 führen in sehr unterschiedliche Klangwelten – und sind doch durch eine gemeinsame emotionale Dringlichkeit miteinander verbunden. Beide Werke bewegen sich zwischen leidenschaftlicher Energie, inniger Versenkung und existenzieller Erschütterung.

      Mendelssohns c-Moll-Trio gehört zu den bedeutendsten Kammermusikwerken der Romantik. Vom ersten Takt an entfaltet die Musik eine unruhige, vorwärtsdrängende Kraft. Das Klavier setzt mit dunklen, aufgewühlten Figuren ein, über denen Violine und Violoncello ihre weitgespannten melodischen Linien entwickeln. Immer wieder wechseln dramatische Zuspitzungen mit Momenten großer Wärme und lyrischer Ruhe. Dabei verbindet Mendelssohn romantischen Ausdruck mit einer außergewöhnlichen formalen Klarheit: Selbst in den leidenschaftlichsten Passagen bleibt die Musik transparent, beweglich und fein ausbalanciert.

      Das langsame Andante wirkt wie ein Lied ohne Worte – still, schlicht und von großer Innigkeit. Demgegenüber steht das federnde Scherzo, dessen Musik mit rastloser Leichtigkeit vorüberzueilen scheint. Im Finale kehrt die dramatische Grundspannung des Werkes zurück. Schließlich tritt eine choralartige Melodie hervor, die dem Satz eine feierliche, beinahe visionäre Dimension verleiht. Aus der Dunkelheit des c-Moll entwickelt sich eine Musik, die nicht im Konflikt verharrt, sondern nach Hoffnung und Überwindung sucht.

      Fast ein Jahrhundert später schreibt Dmitri Schostakowitsch mit seinem zweiten Klaviertrio eines der erschütterndsten Werke des 20. Jahrhunderts. Bereits der Beginn ist von eigentümlicher Fremdheit geprägt: Das Violoncello eröffnet das Werk in einer extrem hohen Lage, Violine und Klavier treten nach und nach hinzu. Aus diesen vereinzelten Stimmen entsteht eine fragile, unsichere Klangwelt, die sich allmählich zu großer Intensität verdichtet.

      Auf einen scharf konturierten, rastlosen zweiten Satz folgt ein Passacaglia-artiges Largo von eindringlicher Schlichtheit. Über schweren Akkorden des Klaviers entfalten die Streicher eine Klage von fast unerträglicher Ruhe. Ohne Unterbrechung geht die Musik in das Finale über. Tanzrhythmen erscheinen hier nicht als Ausdruck unbeschwerter Freude, sondern wirken gebrochen, grotesk und zunehmend bedrohlich. Erinnerungen an die vorausgegangenen Sätze kehren zurück, bis das Werk in einer Atmosphäre zwischen Trauer, Erstarrung und leiser Transzendenz endet.

      In der Gegenüberstellung werden die unterschiedlichen Ausdruckswelten beider Komponisten besonders deutlich. Mendelssohn verwandelt dramatische Spannung in Bewegung, Gesang und schließlich in einen hoffnungsvollen Ausblick. Schostakowitsch führt dagegen an die Grenzen dessen, was Musik an Verlust, Angst und menschlicher Verletzlichkeit auszudrücken vermag. Zugleich zeigen beide Werke, wie unmittelbar Kammermusik sprechen kann: Drei Instrumente treten miteinander in Dialog, widersprechen einander, tragen sich gegenseitig und verdichten individuelle Stimmen zu einem gemeinsamen Ausdruck.

      So wird das Eröffnungskonzert zu einer Begegnung zweier Epochen und zweier höchst unterschiedlicher musikalischer Persönlichkeiten. Romantische Leidenschaft trifft auf die existenzielle Schärfe des 20. Jahrhunderts, leuchtender Klang auf abgründige Stille. Ein Programm von großer emotionaler Spannweite – und ein eindrucksvoller Auftakt für vielklang 2026.

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