Klaviertrios von Beethoven und Brahms
Das Amatis Trio eröffnet vielklang 2026 mit Beethovens Trio op. 11 und Brahms’ Trio op. 114. Zwei Werke voller musikalischer Spannung, lyrischer Wärme und kammermusikalischer Intensität treffen in diesem Programm aufeinander.
In Nomine VI
Klaviertrio op. 11 "Gassenhauer
Sonatina für Klarinette und Klavier
Ständchen D597
Klaviertrio a-moll, op. 114
Mit dem Amatis Trio eröffnet vielklang 2026 am 21. August um 19:30 Uhr sein diesjähriges Festival. Auf dem Programm stehen zwei Werke, die nahezu ein Jahrhundert voneinander trennt und die doch auf besondere Weise miteinander korrespondieren: Ludwig van Beethovens Trio B-Dur op. 11 und Johannes Brahms’ Trio a-Moll op. 114. Jugendlicher Entdeckungsdrang begegnet reifer Nachdenklichkeit, spielerischer Esprit trifft auf herbstliche Klangfarben und große emotionale Tiefe.
Beethovens Trio op. 11 entstand 1797/98, als der junge Komponist in Wien zunehmend als Pianist und Komponist auf sich aufmerksam machte. Das Werk zeigt ihn voller musikalischer Fantasie, Witz und Experimentierfreude. Schon der Kopfsatz verbindet entschlossene Gesten mit überraschenden harmonischen Wendungen und einem lebendigen Dialog der drei Stimmen. Im folgenden Adagio entfaltet sich eine weitgespannte, gesangliche Musik von großer Ruhe und Wärme.
Besonders bekannt wurde das Finale des Trios. Beethoven greift darin eine damals äußerst populäre Melodie aus Joseph Weigls Oper „L’amor marinaro“ auf und verwandelt sie in eine fantasievolle Folge von Variationen. Der volkstümliche Erfolg des Themas brachte dem Werk später den Beinamen „Gassenhauer-Trio“ ein. Beethoven behandelt die eingängige Melodie jedoch keineswegs nur als gefälligen Ohrwurm: Er beleuchtet sie immer wieder neu, verändert Charakter, Rhythmus und Klangfarbe und lässt daraus ein geistreiches Spiel zwischen Leichtigkeit und kompositorischer Raffinesse entstehen.
Ganz anders ist die Atmosphäre in Johannes Brahms’ Trio a-Moll op. 114. Das 1891 entstandene Werk gehört zur späten Kammermusik des Komponisten. Brahms hatte zu diesem Zeitpunkt bereits erwogen, sein kompositorisches Schaffen zu beenden. Die Begegnung mit dem Klarinettisten Richard Mühlfeld inspirierte ihn jedoch zu einer Gruppe neuer Werke, in denen sich eine außergewöhnliche Wärme und Intimität mit der für Brahms typischen strukturellen Dichte verbindet.
Bereits der Beginn des Trios führt unmittelbar in eine dunkle und nachdenkliche Klangwelt. Das Violoncello eröffnet den musikalischen Dialog mit einer weit ausschwingenden Melodie, bevor die weiteren Stimmen hinzutreten. Die Instrumente erscheinen dabei nicht als voneinander getrennte Solist*innen, sondern als eng miteinander verbundene Gesprächspartner. Melodische Linien wandern durch das Ensemble, Stimmen greifen ineinander, ergänzen und widersprechen sich.
Auf den leidenschaftlich bewegten ersten Satz folgt ein Adagio von großer Innigkeit. Der dritte Satz bringt tänzerische Leichtigkeit, ohne die nachdenkliche Grundstimmung vollständig aufzulösen. Im Finale verdichtet Brahms die unterschiedlichen Ausdrucksbereiche des Werkes noch einmal: Drängende Bewegung, lyrische Rückblicke und dunkle Energie verbinden sich zu einem ebenso kraftvollen wie offenen Abschluss.
Das Amatis Trio stellt mit diesem Programm zwei sehr unterschiedliche Stationen der Musikgeschichte einander gegenüber. Bei Beethoven zeigt sich die Kammermusik als Raum des Experiments, des Humors und der spontanen Kommunikation. Brahms verwandelt dieselbe intime Besetzung in ein Medium persönlicher Erinnerung und tief empfundener Zwiesprache. In beiden Werken entsteht die besondere Intensität jedoch aus dem unmittelbaren Aufeinanderhören der Musiker*innen: Jede Stimme besitzt Eigenständigkeit und wird zugleich Teil eines gemeinsamen musikalischen Gedankens.
So eröffnet vielklang 2026 mit einem Programm, das von Wandel, Begegnung und künstlerischem Mut erzählt. Beethovens jugendliche Kühnheit und Brahms’ reife Ausdruckskraft verbinden sich zu einem Abend voller Kontraste – zwischen Leichtigkeit und Melancholie, Virtuosität und Innerlichkeit, Aufbruch und Rückschau.
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