Richard Gölz

vielklang 2025

Tragen wir das Vermächtnis von Richard Gölz weiter?
Gerhard Kaufmann

Die Anfrage an mich, einen Beitrag zu leisten für Richard Gölz, dessen wir heute, fünfzig Jahre nach seinem Tode, gedenken, bedeutet mir viel. Sein Vermächtnis hat an Aktualität nicht verloren. 
Als Theologe und Kirchenmusiker hat er das Chorsingen in Deutschland in den Jahren zwischen den zwei Weltkriegen nachhaltig geprägt, es als essentiellen Anteil von Feier und Gottesdienst verständlich gemacht und es als ein dem Wort der Predigt ebenbürtig fundiertes Tun ausgeübt und begründet.
 
Der einen biblischen Botschaft zu dienen bedarf es sowohl der ernsthaften theologischen Arbeit, als auch der ernsthaften musikalischen Arbeit, also deren künstlerischem Ausdruck samt Ausführung. So ist gegenseitig dafür Sorge zu tragen – nicht nur sorgt die Theologie für sich und nicht nur sorgt die Musik für sich – dass die Botschaft eins sei und ihre Tiefe des Ausdrucks in Wort und Ton nicht verwässere.
 
Eben dies von mir äußerst konzentriert Formulierte geht an uns als ein Vermächtnis, angeregt von Richard Gölz. Und dieses zieht seinen Weitblick aus bleibenden Erkenntnissen. Sie müssen für unsere Zeit aufgearbeitet und verdeutlicht werden.
  
wir orientieren uns:

Wir wissen, dass aufgrund enger werdender Finanzen die kirchlichen Einrichtungen mit immer knapperen Mitteln auskommen müssen. Dabei bleibt die vom Evangelium ausgehende Leidenschaft für das, was in der Kirche und außerhalb der Kirche zu sagen ist, immer gleich groß. Die jetzt geschehene Streichung der Stelle des Stiftsmusikdirektors am Evangelischen Stift Tübingen, die Richard Gölz eben hier an dieser Stätte eingerichtet hat, ist nicht allein ein Verlust für die Kirche, sondern ein Verlust für Kultur und Gesellschaft insgesamt.

Wir orientieren uns: 

Drüben in der Vorhalle der Stiftskirche wurde für Richard Gölz ein Stolperstein gesetzt. Wir gedenken einer Person, deren geistiges Vermächtnis, ungeachtet welcher Widerstände auch immer, Aktualität behält. Wir verordnen uns selbst, über ihn zu stolpern.

Wir orientieren uns:

Werk und Wirken von Richard Gölz hat nicht nur eine innerkirchliche Dimension. Mit Menschen zu sprechen, hatte ich viel Gelegenheit in diesem Sommer und ich sprach auch über das Thema meines Vortrages. Welche Abgründe taten sich auf! Etwa was Singen sei, etwa was Feiern sei, etwa was eigentlichen Wert habe und ob etwa durch Millionen von Absatzmärkten neue Werte entstünden und gar alte ersetzt würden, dazu: wieweit Bildung nötig sei, um zwischen dem  e i n e n  Wert und dem a n d e r e n  Wert unterscheiden zu können.

In einem ersten Schritt ist mir deshalb wichtig, Gölz zuerst einmal „weltlich“ sehen zu lernen, damit wir über ihn und seine Verdienste auch weltlich (und nicht nur innerkirchlich) reden können. Ich bringe zuerst die enormen Zeitumbrüche, vor- in- und nach dem ersten Weltkrieg mit ganz grobem Pinselstrich zur Sprache, in die der junge Richard Gölz hineingewachsen ist.

Diesen ersten Schritt lasse ich ausklingen mit einer ganz unüblichen gemeinsamen Übung, die ich mit Ihnen zusammen umsetzen werde um einer elementaren Erfahrung willen. Sie soll uns ganz unmittelbar zu Richard Gölz führen, um sein Anliegen erlebend verstehen zu lernen. Ich nenne das eine „Genese des inneren Hörens und äußeren Erfassens“.
 
Der zweite Schritt ist ein Blick in Richtung Musik, ihrer Sprache und ihrer Inhalte. Auch hier ist nämlich in unserer Zeit leider viel zu wenig Wissen vorhanden.

Erst im dritten Schritt berühren sich Musik und Theologie und werden als nicht voneinander trennbare Disziplinen erkannt. In dem dazugehörigen Schlussgedanken werden dann Fragen und Anstöße laut, die auf Richard Gölz zurück- und auch weiterführen. In der Konsequenz werden wir bemerken, dass sich inhaltliche Fragen neu zur Diskussion stellen. Das hört sich möglicherweise etwas überspannt, vielleicht sogar befremdlich an. Es braucht freilich Zeit des Nachdenkens, geschweige denn des Umdenkens, denn unser Thema ist, wenn wir dem Wirken von Richard Gölz gerecht werden wollen, ein umfassendes. Umdenken ist immer zuerst Sache des Kopfes und diese kostet angesichts aller Logistik kirchlicher Sparmaßnahmen kein Geld.

Erster Schritt: In welch eine Zeit ist Richard Gölz hineingewachsen?

Schon vor dem ersten Weltkrieg, aber gewiss auch durch ihn, vollzog sich ein Riss durch alle Lebensgebiete der damaligen Zeit: Die Unsicherheit der Menschen durch die sich verändernden Ideale des vergangenen Jahrhunderts, die aufgeheizte politische und die prekäre wirtschaftliche Lage, das krampfhafte Festhalten am Alten auf der einen und der Aufbruch ins Neue auf der anderen Seite. Sigmund Freuds Blick „auf die Seele“, Albert Einsteins revolutionäre Theorien... Längst schon beschäftigt sich die Philosophie mit anderen Religionen. In der Malerei melden sich  „Kubismus“ und „Abstrakte Kunst“, in der Musik das Kultritual des „Frühlingsopfers“ von Igor Strawinsky, die neuen Schaffenstechniken eines Arnold Schönberg, daneben auch der aufmerksame Blick Belà Bartoks auf Volksweisen und der Rückgriff auf frühere Zeitalter, hier Carl Orffs Carmina Burana: Vertonung von Texten des Mittelalters, aber auch Orffs Schulmusik, sein Sich-Kümmern um die Jugend – an dieser Stelle ist zu nennen, dass die Carmina Burana etwa zur selben Zeit entstanden ist wie das Gölz’sche Chorgesangbuch. (Das, wie wir wissen, die gesamte Chormusik in Deutschland erneuert und belebt hat!).
Von Jugendbewegung und Singbewegung sind diese kulturellen Reformen getragen. Es erwacht das Interesse an der Musik der Renaissance mit besonderem Schwerpunkt der Reformationszeit, deren Choralgesang und Polyphonie; für Richard Gölz ein Kaleidoskop der Erkenntnis, ein „Wink Gottes“.
Nicht zuletzt ist zu nennen die Theologie Karl Barths, der, entgegen des immer noch geltenden Einflusses der Theologie Friedrich Schleiermachers, Gott als den „ganz Anderen“ ansah und alle menschliche Frömmigkeit vor herbe neue Fragen stellte. Wir werden darauf zu sprechen kommen.

Dass all dies einen neuen Bezug zum Singen selbst implizierte, war Richard Gölz zum greifen gegenwärtig, dasselbe auch bezüglich einer neu zu durchdenkenden gottesdienstlichen Liturgie. Sein unermüdliches Tun dabei mit dem Schwerpunkt Musik und Singen können wir Schritt für Schritt nachvollziehen. Dies tun wir jetzt, denn dabei begegnen wir ihm und seinen Erkenntnissen auf direktestem Wege!

„Genese des inneren Hörens und äußeren Erfassens“.

(Es handelt sich im Folgenden um ein Skript von Anweisungen, Übungen und Zwischengedanken, die bei einer lesenden Person eine situative Vorstellungsgabe erwartet!) 

So simpel diese folgenden Übungen erscheinen mögen, so erkenntnisreich und fächerübergreifend liefern sie ein Wissen über Teambildung, Gruppendynamik etc. kurz: über menschliche Gemeinschaft. Sie zeigen sogar noch weit mehr und führen uns ins universelle Wesen der Musik! Sie sind aus dem großen Bereich zwischenmenschlicher Erfahrung herausgefiltert und zu einer großen Übungs- Einheit geformt.
Eine lesende Person ist geneigt, derlei „Anweisungsprotokoll“ zu überspringen. Der Gewinn des Erlebens selbst, um den es hier eigentlich geht, bleibt ihr dabei versagt. Die lesende Person vermag jedoch auch „nicht erlebt“ an den nachfolgenden gedanklichen Konsequenzen Anteil zu nehmen. 

Alle Anweisungen sind kursiv gedruckt, das  G e s c h e h e n  der Ausführung, auch die S t i l l e , wird mit Strichen ----- angedeutet. (Hier bedarf es einer Einfühlsamkeit, welche  Zeit jeweils dafür verwendet werden muss!) Alle geäußerten Zwischengedanken erscheinen in normaler Schrift:

…...

Ich bitte Sie, sich zu erheben! ------- D a s s   w i r   h  i e r  sind, bedarf eigentlich nicht eines besonderen Ausdrucks und doch nenne ich ihn, denn schon  m i t   i h m  geschieht Wahrnehmung! Er nennt sich „stillschweigendes Übereinkommen“. Mit unserem stillschweigenden Übereinkommen ist die Voraussetzung gegeben, dass unter uns ein W i r  sich bildet -----. 

Unser Atem --------, unser Herz --------, Blut ----, Leib ------, die millionenfache Lebensbekundung unserer Kreatur ------;

Machen wir einen Teil davon  s i c h t b a r,  zeigen wir mit den Händen, wie es in uns atmet ------,

machen wir einen Teil davon  h ö r b a r,  geben wir Ton beim Ausatmen mit unserer Stimme ------.

Stimme und Hände machen den mit unserem Atem gegebenen Lebenswillen sichtbar, dafür nehmen wir uns Zeit ------------------.

Und weiter: 

Machen wir unsere atmende Kreatur spürbar mit einem leisen, sich gleichmäßig wiederholenden gemeinsamen Ho, ich gebe die Einsätze dazu von hier vorne -------------. 

Sie merken: ein gemeinsamer Puls entsteht! 
Wie bedeutend schon allein diese Erfahrung ist, wird uns später noch ganz besonders beschäftigen! 

Die „millionenfache Lebensbekundung unserer Kreatur“, von der ich vorher redete, kann also         a u s g e r i c h t e t  werden auf ein gemeinsames Interesse, auf ein gemeinsames Tun.
 
M e h r  noch aber geschieht dabei:
 
Bewirken wir, was dabei  n o c h  geschieht, durch einen Schrei: Ha! ------- und nochmals! Ha! ------- und nochmals! --------(beliebig oft!) ------. Wir merken die Freude! Hier ist sie!

Wir verinnerlichen sie und formen aus dieser neuen Erfahrung zusammen wiederum ein leises, gemeinsam sich wiederholendes Ho nach meinen Einsätzen -------.

Nehmen wir jetzt folgendes wahr: Unser Ho sei der Anfang der Wortes „Horchen“ ---------,

so kommt ein Sinn in unser Ho ! Wir bemerken eine neue Bestimmtheit in unserer Stimme!

Um noch ein drittes Mal auf die angesprochene „millionenfache Lebensbekundung“ zurückzugreifen: Wir sind Einzelpersonen, jeder von uns ist ein einzigartiger Kosmos! 

Also stoßen wir unser Ho jetzt zu einer e i g e n e n  Zeit aus ---------, bleiben Sie einzigartig! Wagen Sie  I h r  e i g e n e s  Ho immer in dem ihm  e i g e n e n  Moment herauszustoßen -------- .

Eine neue Qualität von Aufmerksamkeit fordern wir jetzt von uns ab: 
Stoßen Sie jeweils Ihr eigenes Ho immer erst in  d e m  Moment aus, der für Sie der richtige ist im Panorama der vielen anderen Hos, die Sie hören --------.

Das Erlebnis von  F r e i h e i t , - wie oft wird dieses Wort in den Mund genommen! - braucht Eigeninitiative! Wir haben gemerkt, dass Freiheit  g e ü b t  werden muss! Selbst, wer das weiß, sagt sich vielleicht dann doch: Binsenweisheiten müssen sich mit Leben füllen, sonst verdorren sie! Oft wiederholte inhaltsreiche Worte müssen sich mit Leben füllen! Auch das Wort „Werte“; wir hier sind einem Wert auf der Spur! 

Also fahren wir ruhig, konzentriert und uns orientierend nochmals fort mit dieser Übung --------------.

Das schöne Wort Freiheit ist von Verbindlichkeiten nicht abzulösen. Absolute Freiheit gibt es nicht! Quer durch alle Gebiete, etwa Politik, Gemeinwesen, Kunst (Ja, auch in der Kunst!); unsere Übung machte die Differenziertheit des Freiheitsbegriffes explizit körperlich bewusst.

Mag es anstrengen, mag es irrational, mag es fatal erscheinen; es gibt noch einen tieferen Sinn, der sich uns nun aufschließen wird: 

Dazu brauchen wir eine Zwischenübung: 
 
Wir beginnen jetzt unsere letztere Übung mit einem gemeinsamen Schrei Ha!, um dann wiederum zu unserem individuellen Ho zu kommen. Das unterbrechen wir aber immer wieder durch einen gemeinsamen Schrei Ha!, der von mir aus hier vorne immer wieder gegeben wird. Aber stets beginnen wir wieder neu unsere Hos zu artikulieren: Ha!---Ho-------------Ha!---Ho-----------Ha!---Ho--------Ha! (Diese Übung soll enden mit einem Schrei!)

Nun die eigentliche Übung: Sie bildet einen gewissen Höhepunkt unserer Exerzitien. 
Unseren individuellen Ho-(rch)-Übungen fügen wir nun eine ganz feste Größe bei, d. h. zwei oder drei Personen positionieren sich jetzt hier vorne bei mir! ---- Danke!
 
Die hier vorne positionierte Gruppe setzt jetzt in ganz genau gemessenen Zeitabständen immer ein sehr kurzes, kräftiges Ha! ---------. 
Die übrige Gruppe beginnt dazu, wie seither, aber jetzt  u n u n t e r b r o c h e n   i n   a l l e r         v o r h e r   g e ü b t e n   F r e i h e i t   ihre Hos zu setzen. Wir hier vorne beginnen mit vier Has und setzen sie in ihren exakten Zeitabständen fort, während die übrige Gruppe ebenfalls mit ihren   f r e i e n  Hos nach unseren vier Has dazu kommt! Lassen Sie sich also in ihrer Freiheit nicht stören durch unsere vorne artikulierten Has! --------------- 
(Auch hier kann die Übung wieder mit einem Ha! enden!)  

Wir haben bemerkt, dass die individuell zu setzenden Hos  i n  e i n e  A b h ä n g i g k e i t  gerieten, so frei sie auch artikuliert wurden! War es bei uns hier vorne etwa immer die Eins von einem Viervierteltakt, so befanden sich die Hos bei Euch anderen plötzlich in einem                         S c h w i n g b e r e i c h  von Vierteln, Achteln, vielleicht Sechzehnteln oder möglicherweise auch von triolischen Bewegungen, die aber alle sich ausrichteten an der Konstante unserer Has hier vorne. Wir erlebten hier die Entdeckung des Prinzips der Polyphonie neu nach!

Unser Leben ereignet sich in unzähligen inneren Rhythmen. Dazu kommen regelmäßige Rhythmen von außen, z. B. Tag und Nacht, auch andere Zeitzyklen, die unser Leben „von außen“ gestalten. Unsere „Konstante von außen“ - Sie erinnern sich - setzte eine vitale  D y n a m i k  frei: Gesetz kehrte ein in unser  W i r . Kann der uns inspirierende Puls von a u ß e n kommen, inspiriert er uns auch i n n e n , wie wir erfahren haben! Wir sind außen und innen  e i n e  Materie – und Materie kommt aus dem Lateinischen Mater, und bedeutet „Mutter“!
Gesetz kehrte ein in das gemeinsame Musizieren des Mittelalters, als entdeckt wurde, dass eine ganze Gruppe von Menschen auf  e i n e n  Puls schwingen kann. Das ist ein Durchbruch in unserer unglaublich lebendigen Musikgeschichte. Wie lebendig sie schon  v o r  der Entdeckung des gemeinsamen Pulses war, das liegt beschlossen in der unglaublich inhaltsreichen Gregorianik und deren melodischem Reichtum. Die Polyphonie kehrte ein in die Musik des Mittelalters. Gesetz kehrte ein in die Notenschrift! Hier geht es um den Herzschlag der auf der Welt einzigartigen Musik unseres europäischen Kontinents.

Wir setzen uns -----!


Mit einer der schönsten und auch krassesten Aussagen im Rahmen unseres Zusammenseins kommen wir nun zum Ausklang unserer Übungen:

Betrachteten wir das Chorgesangbuch von Richard Gölz nur als eine Liebhabersammlung, fiele sie heute zusammen wie ein Kartenhaus des Geschmacks. Dass gerade aber Gölzens leidenschaftliche Erkenntnis unsere analytischen Übungen angeregt hat, weist hin auf die natürlichen und uralten Gesetze, auf denen das Musizieren selbst ruht.

Hat Gölz selbst nicht auf die gemeinschaftsbildende Kraft der Musik hingewiesen? Hat er nicht auf das „Sprechen“ des Singens hingewiesen? Dort, wo das Ho zum sinnstiftenden Hor-chen sich verklanglichte, spricht Gölz selbst zu uns! Hat Richard Gölz nicht in der Polyphonie, die von der gemeinsamen Puls-Empfindung ausgeht, den lebensvoll kreatürlichen Fluss einer klingenden Sprache gesehen? Hat er nicht das menschliche Zusammensein dort, wo gefeiert wird - insbesondere wo Gottesdienst gefeiert wird – als ein organisches Ganzes betrachtet?

Eine der faszinierendsten Wahrheiten, die uns durch die Musik offenbar wird, leuchtet uns ein durch ein besonderes Sinnesorgan: das Ohr.

Unser Ohr ist hochaktiv! Es ist keine Müllhalde von akustischen Informationen, sondern eine geistige Kraft, die ununterbrochen arbeitet, ordnet, reflektiert, empfindet und entdeckt! Zwischen der Impulsfolge von 20 000 Hertz, bis hin zu den langsamen Takten, sortiert es und hört es enge Zusammenhänge und nicht enge Zusammenhänge. Das innere Hören  l e b t   s e i n e  Musik, nicht nur die e r i n n e r t e. Unser Ohr ist nicht Datenempfangsstelle für die Fortschreibung weiterer Musik, wie es uns die Künstliche Intelligenz glauben machen möchte. Unser Ohr  e r k en n t ,         es s c h a f f t  u n d  l e b t  von der Erkenntnis. Was ist das, was unser Ohr, a l l e i n  u n s e r  O h r erkennt? Einen kleinen Ausschnitt davon erfahren wir in der folgenden letzten Übung:

Erfahrungen mit dem Ho hatten wir bereits. 
Aber wie ist das denn, wenn sich unsere Lippen zu einem Hö formen ------- ? 

Bewusst ließ ich Sie ein wenig suchen.
 
Bitte formen Sie Ihr gefundenes Hö nun gemeinsam auf meinen Einsatz ----------!
Es ist uns nicht entgangen, dass dieses Hö ein wenig mehr  s i n g t  als vorher unser Ho; unsere Lippen schürzten sich und mühten sich um mehr Klang. 

Also singen wir ruhig dieses Hö -------.

Nicht zufällig ist in unserer Sprache das Hö mit dem Hö-ren verknüpft. Und so führt uns diese Beobachtung zu einer sehr schönen Übung:

Jeweils e i n e n Atem lang und immer wieder  e i n e n  Atem lang, ganz individuell, gleitet unsere Stimme in ein Hö hinein -------- 

Und nehmen wir wahr, wie unser Ohr dabei zuhört? 

Staunen wir!, denn unser Ohr hört zu! Jeder Atem kann einen neuen Ton hervorbringen. Pro Atem ordnet sich die Stimme ein, gleitet so lange, bis sie einen Ton gefunden hat, bei dem sie stehen bleibt. Dann endlich hat sie ihren Ton gefunden.--------------

Und nun besiegelt unsere Stimme ihren gefundenen Ton mit einem abschließenden  Ren. --------

Artikulieren Sie zum krönenden Abschluss das gesamte Wort „Hören“ schön singend mit Ihrem Ton! Atmen Sie immer nach und singen Sie  h ö r e n d  Ihren gefundenen Ton! ------------

Wir haben das ordnende Wesen unseres aktiven inneren Hörens wahrgenommen. Wir haben uns unser Hören  a n g e h ö r t ! Um auf die Harmonien, die wir gehört und erlebt haben, zu sprechen zu kommen, hier die abschließenden Gedanken dazu: 

Harmonie ist ein Überbegriff. Sie ist sowohl tiefe mathematische Gesetzlichkeit als auch Suche nach der  M i t t e  schlechthin, nach einer Schlüssigkeit. Harmonie ist Gleichgewicht. Das Hoheitsgebiet des Ohrs ist eine kreatürlich-geistige Arbeit auf eine sich nur zum Teil erschließende Wahrhaftigkeit hin. Die naturwissenschaftliche Seite davon fand zum Gesetz der Akustik, fand zu den Schwingungsverhältnissen von Oktav, Quint und allen weiteren Intervallen, führte Natur- und Geisteswissenschaft zusammen, erkannte  s e i n e  ureigene Natur in der Übereinstimmung eines    I n n e n  und  A u ß e n  und schuf das Tonsystem. Und es schuf dadurch eine Höherbewertung von ablaufender Zeit. Sie kehrte alles Kommen und Gehen in ein tieferes Licht des Daseins als es die Naturwissenschaften vermochten. Wir hätten ohne diese gewaltige Leistung kein Instrument, keine Tonarten, keine musikalischen Kriterien und letzten Endes - keine Musik!

……….

Es können aus den von uns vollzogenen Übungen auch nur einzelne ausgewählt werden. Sie lohnen sich, weil sie jedes Mal neu erlebt werden können! Aus einer jahrzehntelangen Erfahrung des Lehrens von Vokalimprovisation habe ich sie ausgewählt und angewiesen. Letzteres, die Anweisung, bedarf allerdings der ganz besonderen sorgfältigen Vorbereitung.

Singen wir nun ein Lied? Ich dichtete und komponierte dieses Lied zu folgendem Psalmvers: „Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören?“ (Für die diesen Vortrag Nachlesenden habe ich das Lied an den Schluss gerückt!)

…...

 
Unsere Übungen vermittelten ein differenzierteres Bild als gewohnt bezüglich menschlichen Zusammenseins, wenn sich dieses gemeinschaftlich ausrichtet und einen Sinn für Rituelles sensibilisiert, im Besonderen, wenn menschliches Zusammensein das gemeinsame Singen „von innen her“ verstehen will. Richard Gölz sagt in der „Gottesdienstlichen Rundschau“, Monatsschrift für Gottesdienst und kirchliche Kunst, zum Thema „Die Singbewegung“ folgendes:

„Von der – in Gemeinschaft betriebenen – Weckung des Körpergefühls kommt es, dass...die Rhythmen der alten Gesänge, die polyphonen Linien so unvergleichlich viel freier und lebensvoller erfasst werden...Die Stimmbildung ist...Arbeit am ganzen Menschen. Es wird gezeigt, dass jedem ein Eigenton geschenkt ist….Gesund ist dasjenige Singen, das aus dem Atmen und Sprechen erwächst. Quillt der Ton, der als Naturwesen in uns steckt, hervor, das gibt Freude und erquickt…er weitet Odem und Herz….Es wird vor allem ebenso sehr am Gehör wie an den Stimmen gearbeitet….und: Melodie ist nicht gemacht, sondern ‚gefunden‘“.

Wenn wir in unseren Übungen zunächst jegliche theologische Deutung vermieden haben, so deshalb, weil es zunächst um universelle Erfahrungen geht, die auch ohne Glaubensinhalte gemacht werden können. Wir werden später zur Theologie kommen (mein Lied nahm ja auch manches vorweg). Aber geben wir uns in all diese Beobachtungen ganz schlicht als Menschen ein, als sich selbst beobachtende Wesen, dann verbinden wir uns mit allen Menschen auf Augenhöhe. 

Dies zeigt, wie hoch es Richard Gölz verdient hat, einer Allgemeinbildung zugeführt zu werden - als solcher nämlich: Wie ein Mensch in Wachheit seiner Mitwelt sich mitteilt bezüglich eines Gebietes, das unterentwickelt ist, wie ein Mensch in Wachheit weitergibt, um welch weitreichende Erkenntnisse es hierbei geht, die auch in ganz anderen Fachrichtungen wirksam sind, wie ein Mensch aus seiner Wachheit auch politische Standhaltung gegen den menschenverachtenden Nationalismus begründet und zu lehren nicht müde wird. 
Ich möchte es laut unterstreichen: Unsere eigenen Beobachtungen machen uns fähig, ein solches Gölz’sches Vermächtnis als öffentlich relevantes – und nicht nur kirchlich internes – sehen zu lernen und es fortzusetzen. 

Musik und Inhalt

Sind wir aufmerksam geworden, dass Stimme und Wort-Hervorbringung in ihrer Botschaft, in ihrem Sinnzusammenhang dann  e i n s  sein müssen? Da ist nicht irgend eine Melodie und ein ganz anders meinendes Wort! Beschäftigt uns da nicht ein uraltes Gesetz, dass Wort und Ton, wenn sie    e i n s  sind, einem Wert entsprechen, einem Ausdruck entgegenstreben? Ich sage „entgegenstreben“. Zumindest im Interesse von Kirchenmusik ist dann zu fragen: Wohin?, zu Gott vielleicht?, einer Inspiration zu lauschen vielleicht? - In unseren Focus kommen jetzt neue Worte: „Gott“, „Inspiration“.

Richard Gölz erkennt in vielen Liedern seiner Zeit eine Seichtheit, eine Ich-Gefühligkeit und entdeckt dank der Singbewegung, die längst schon ganz ohne kirchlichen Einfluss zur Musik der Reformationszeit gefunden hatte, die Du-Gott-Bezogenheit der Lieder, des Chorals und auch die entsprechende Melodik selbiger innerer Haltung: Wort und Ton -  e i n e  Botschaft..

Und nun geht uns eine ganz große Tür auf: Wenn all unsere Beobachtungen, die wir mittels der Übungen gemacht haben, nicht nur im Sinne einer Selbstbezogenheit und nicht alleine in der Erkenntnis des eigenen Ichs sich entwickelt haben, sondern wenn sie über sich hinaus gewiesen haben; wohin haben sie gewiesen? Und je mehr und je größer und kundiger diese Beobachtungen werden können, desto erfüllter weisen sie über sich hinaus!

M e h r  hat die Musik zu sagen, als in   g e g e n s e i t i g e r Wirkung zu bleiben: Sie lobt, sie dankt, sie seufzt! Wohin weist sie? Noch nicht einmal hier mache ich mich gemein mit der Institution Kirche, wenn ich der Musik metaphorisches Bedeutungswesen selbst unterstreiche. Das metaphorische Denken ist uns angeboren und  w e i s t  uns auf größere Zusammenhänge  h i n .

Es geht nicht um Beweise, sondern um  W e i s u n g!  Die  W e i s e  eines Liedes hat eine ursprüngliche Beziehung zur  L e b e n s w e i s e.  Auch das Wort  W e i s h e i t  klingt hindurch. Der unaussprechliche Segen unserer großen Kunstwerke liegt darin beschlossen: Sie sagen Du, sie danken, sie jubilieren, sie klagen, sie tragen Schmerz, aber sie sagen Du! Auch die Werke derer, die „nur“ Musik sind; sie unterstellen sich einem...Höheren...Und hier fangen Worte an zu fehlen…!

Musik und Theologie

Es ist wunderbar, dass es eine Wissenschaft gibt, die angesichts des Heiligen verbal  n i c h t            s c h w e i g t ,  die mitten in unserer Welt in großer Anfechtung Sprache sucht. Das ist die Theologie. Sie findet zu einem unglaublichen Wort: „Göttliche Offenbarung“. Wir kommen noch darauf zu sprechen. Aber gehen wir langsamen Schrittes weiter im Sinne unserer Erschließung des Vermächtnisses von Richard Gölz. 

Aus Friedrich Schleiermachers Theologie (1768-1834) und ihrem Einfluss bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts waren Wertschätzung menschlicher Andachtsfähigkeit und Frömmigkeit und waren Lieder hervorgegangen, die das Gewicht auf die eigene Seele bezogen, also mehr das  I c h vor Gott betont hatten. Diese Darstellung ist zwar sehr verkürzt, sie will nur nochmals an die geistigen Zeitumbrüche erinnern. Ich deutete an, in welch eine Welt Richard Gölz hineingewachsen war. Führte schon der musikalische Weg der Singbewegung hin zur Reformationszeit, so lag auch für Richard Gölz auf der Hand: Hier, diese andere Herangehensweise an das Singen, Musizieren, an das Lied, an den Choral, an die Polyphonie, geboren aus der Lutherischen Glaubensfrage, sagte D u  G o t t !  Der Lebenswelt der frühen Jahre des 20. Jahrhunderts brachte die Theologie Karl Barths starke Impulse. Er, ebenfalls zurückgreifend auf Luther, stellte aller erfühlten und gedeuteten herkömmlichen Gott-Welt den Satz gegenüber: „Gott ist der ganz Andere“. Keines Menschen Höhenflug erreicht ihn! Das Wort des Apostels Paulus wird uns erinnerlich: „...dass es nicht an jemandes Wollen liegt, sondern an Gottes Erbarmen“, aus dem Römerbrief.

Erschütterung in der Musik also: Ist alles Werk nichtig? Die Frage nach musikalischer Qualität: Geht es darum gar nicht?  Wie konnte so unter dieser fatalen Sicht das „ n e u e  L i e d “ entstehen? Die Theologie und ihre Qualität des Denkens, war sie nun abgekoppelt von der Frage der Qualität musikalischen Denkens? Sah sich die Theologie selber  a u c h  i m  W o r t  als Beauftragte am „neuen Lied“? 

Waren Hindemith, Strawinsky, Bartok, Schönberg der Kirche irrelevant angesichts der wahren, gesunden alten Lied- und Choralkunst? War so der Kirche ein kulturelles Mithalten mit der „Welt“ entsagt? Wir heute können uns in diese Frage noch viel extremer hineinversetzen: Allein der Schock Auschwitz und dass man danach nicht mehr wahrhaft singen k ö n n e (Adorno) war unsäglich! Das konnte nicht so stehen bleiben! Aus viel früheren Jahren verliert ein Wort von Richard Gölz nicht seine Kraft und sein Leuchten, gesprochen in einem Vortrag zum Kirchenmusiker-Kongress in Berlin 1927:

„Nie wird ein neues Lied erklingen in einer Kirche, es sei denn in Zeiten, da neue Erkenntnisse aufgehen und eine helle Botschaft mit neuer Zunge gesagt wird….Nicht so ist es, ....als ob nur durch die Predigt-Verkündigung jenes Leben geweckt werden könnte….Wie tief rechte Singerziehung nach innen wirkt, Menschen bildend, Gemeinschaft im Geist erzeugend, hat unsere Zeit neu zu lernen.“

Ich füge hinzu: Wenn es auch bei einem musikalischen Kunstwerk um „jemandes Wollen“ geht, um mit Paulus weiterzudenken, wäre dann die „helle Botschaft“, von der Richard Gölz spricht, nur dort zu suchen, wo er fündig geworden ist; in der Musik der Reformation? Es wäre töricht, solches daraus zu schließen! Redet Paulus nicht auch von dem „unaussprechlichen Seufzen der Kreatur“? Im Rückschluss erkennen wir den Ernst unserer vorherigen Übungen umso deutlicher. Denn wir reden mit Gölz „wie tief rechte Singerziehung nach innen wirkt, Menschen bildend, Gemeinschaft im Geist erzeugend….“, was „unsere Zeit neu zu lernen“ hat….

Ich komme jetzt zurück zum Wort „göttliche Offenbarung“.

Die Theologie redet von göttlicher Offenbarung. Hier müssen wir kurz innehalten!
Denn welch ein menschliches Wort kann d a f ü r stehen, was mit göttlicher Offenbarung gemeint sein will? Wir befinden uns hier auf dem Boden der Sprachlosigkeit ebenso, wie der Sprachschöpfung. Und vermöchten wir da überhaupt weiterzudenken, d a n n  so: 

Welch ein Unterfangen zwischen göttlicher Offenbarung und ihrer Niederschrift!...ohne Einbuße des Göttlichen!...zuerst im Aramäischen, dann im Griechischen, dann im Lateinischen, dann im Deutschen ...in Versen erzählend, redend, singend...nichts durfte verloren gehen! 

Und dennoch: Die Bibel redet – und wir haben die Offenbarung  n i c h t  in Händen, keine Praxis hat sie „in Händen“.
 
Luthers Vermächtnis, Karl Barths Vermächtnis, auch das von Richard Gölz, so wenig wie wir Schütz, Bach und Mozart „haben“, obgleich wir sie lesen, zitieren, unzählige Male aufführen – wir h a b e n  die Offenbarung nicht in Händen, warum?
 
Weil sie weiter g e s a g t – weiter g e s u n g e n , weiter  g e s c h ö p f t  werden will. „Singet dem Herrn ein n e u e s Lied“...denn göttliche Offenbarung endet nicht! Auch bei größter Anfechtung: das „neue Lied“ soll nicht enden! In jeder Zeit gesprochen, in jeder Zeit gesungen soll es stets über sich hinaus w e i s e n ! In diesem Sinne redet auch Richard Gölz als Theologe  u n d  Musiker vom „neuen Lied“.

Wiederum und immer noch ist zu fragen: Welch ein Unterfangen?!

Überall dort, wo unsere Zunge schwer wird, wo wir merken, es reicht nicht hin, überall dort, wo wir spüren: anders muss es gesagt und gesungen werden, überall dort, wo wir merken, wir ahmen ja nur nach, etwa: wir kippen in die Unterhaltung, etwa: wir winden uns in philosophischer Rechtfertigung, etwa: wir wähnen uns in historisch-musikalischer „Bahnbrechung“, überall dort  bleibt dieses Angefochten-Sein, dieses Bettler-Feld des Nicht-Habens! 

Aber es ist erstaunlich: Gerade  h i e r  ist heiliger Boden, um  a n d e r s zu reden und  a n d e r s zu singen, weil: für die jetzige Zeit, immerzu für die j e t z i g e Zeit! Dann beugen wir uns auch vor den Kriterien rechtschaffener weltlicher Anstrengungen als Menschen unter Menschen und sagen doch D u ! 

Dann kann dir oder mir plötzlich das Lobpreisen als egoistische Seelenerbaulichkeit aufgehen. Dann kann ich gefährliches sektiererisches Gedankengut entlarven. Dann kann ich erschreckt dessen gewahr werden, dass alles Gute auch für Böses mißbraucht werden kann. Dann kann Glaube politisiert und mißbraucht werden und seinen Weitblick verlieren. Dann kann ich neu sehen und hören lernen! Dann kann ich unserer gesellschaftlichen Verfassung dankbar sein als ein Mensch, der weiß, wie sie immer wieder von innen heraus Aufmerksamkeit benötigt. Dann kann ich unserer derzeitigen Theologie dankbar sein als einer, der weiß, dass sie immer wieder von innen heraus erneuert werden muss – und gerade zum erwähnten „neuen Lied“  gehaltvoll Stellung nehmen muss. Dann kann das Gebet mitten unter den Menschen plötzlich eine andere Tiefe bekommen.

Macht uns das unsicher? Dann komme ich nun zum



Schlussgedanken

Liebe hier Versammelte und Zuhörende,

wenn dem menschlichen Geist nicht zuzutrauen wäre, dass er auch ein Verständnis entwickeln kann, das weit über ihn hinausreicht, könnte er dann dem Ungeist perverser Machtphilosophie begegnen in Würde und Größe? 

Tiefe Fundamente weitsichtigen Glaubens waren noch zu allen Zeiten nötig, in Worten, Bildern und Tönen mit  e i n e r  Stimme zu sprechen. Sie waren letzten Endes stärker als Kriege und haben bis heute unser Hoffen aufrecht erhalten!

In unserer öffentlichen Wahrnehmung schätzen wir einseitig den faktengestützten kritischen Journalismus, der sich auf äußeres, sichtbares Erleben des Menschen bezieht und gewiss auch auf inneres Erleben hinweist. Wir stehen andererseits aber auch vor derselben Aufgabe; für das Gespür von Menschlichkeit gegenüber unseren inneren Erfahrungen. Die Aufgabe ist groß, sie anzubinden an äußeres menschliches Erleben und Ausdruck zu finden dafür, was Menschlichkeit eigentlich ist. 

So ist vom Kopfe her die Musik einzubinden in die Theologie selbst als Angelegenheit fundierter Sprache mit meisterlicher Fähigkeit – ebenso, wie dieselben Kräfte auch für Worte von meisterlicher Fähigkeit gegeben sind. Mag für unsere vorher praktizierten Übungen verschieden große Empfänglichkeit vorhanden sein, so bleiben sie doch äußerst nützlich hinsichtlich theologischer Rückschlüsse!

Nicht erst in der „Praktischen Theologie“ soll die Theologie der Musik begegnen, sondern schon lange vorher und eingebunden werden in ihr umfassendes ganzes Denken.

Ein besorgter Blick in die Gesellschaft, in die Milieus, in die Jugend, in die Medien bekommt erst dann seinen Funken, wenn ob aller Vielfalt die Bildung mit inbegriffen bleibt. Das ist besonders bei der Musik eine eiternde Wunde in heutiger Zeit!

Sollten „vom Kopfe her“ wir einig sein, könnte der segensreiche Bildungsauftrag der Kirche wieder an Leben gewinnen. Denn wenn es echte tiefe Freude ist am gefundenen Wort, am trefflichen Ton, so ist sie getragen von Leiden und Leidenschaft ohnegleichen.

All dies wäre in den Wind gesprochen, wenn nicht gemeinsame Überlegungen folgten. Wenn nicht Seminare, Tagungen und Reflexionen folgten und in Behutsamkeit gefunden werden     w o l l t e n  als Bildungsangebot, verantwortet von der Leitung der Kirche. Theologische Studien bis hinein ins Lebendig-Seelisch-Körperliche, hören wir da nicht das paulinische „Seufzen der Kreatur“ mit dem Ziel hoher Qualität, die so auch die Sorgsamkeit der Theologie über alle Maßen erregte? Den vielen Glaubensgruppen und Musikgruppen in unserer Kirche stünde ein qualifiziertes Angebot des Lernens zur Verfügung…! 

Erkennen wir die Notwendigkeit des Gesprächs?

Seien wir froh, dass es Menschen wie Richard Gölz gegeben hat. Sein Stein drüben in der Vorhalle der Stiftskirche steht auch für das noch zu singende und zu sagende neue Lied!
Spüren wir alle mit in einer Zeit heutiger, kaum je dagewesener Verzerrungen, die tief unsere Existenz erniedrigen, merken wir, wie sich die Rechthaberischen verbohren, wie die Mächtigen töten, aber auch,

wie sehr Menschen auf Menschen warten!

Was wäre die Theologie ohne besagtes Du?
Was wäre die Musik ohne dasselbige Du?

Und was wäre dieses älteste Buch unserer Kultur – die Bibel – ohne neues Lied?

Ich danke Ihnen!


Throughtout the years we have had so many experiences that defined us, our students and our audience.

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