Lieder Dowland, Frescobaldi und Caccini
Unter dem Titel „Canti amorosi“ entfalten Klaus Mertens und Thorsten Bleich ein Panorama englischer und italienischer Liebeslieder des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Melancholische Klagen von John Dowland und John Danyel begegnen der ausdrucksstarken Musiksprache von Caccini, Frescobaldi und Kapsberger. Im intimen Zusammenspiel von Bariton, Laute und Theorbe entsteht ein Konzert über Liebe, Sehnsucht, Abschied und Vergänglichkeit.
Englische und italienische Lieder zur Laute
Mittwoch, 9. September 2026, 19:30 Uhr
Jakobuskirche Tübingen
Mit „Canti amorosi“ laden der Bariton Klaus Mertens und der Lautenist Thorsten Bleich zu einer musikalischen Reise durch die englische und italienische Liedkunst um 1600 ein. Im Mittelpunkt stehen Liebe und Sehnsucht, Nähe und Trennung, Hoffnung, Eifersucht und Vergänglichkeit – jene zeitlosen Empfindungen, die Komponisten und Dichter seit Jahrhunderten zu immer neuen Ausdrucksformen inspirieren.
Die englischen Lieder von John Danyel und John Dowland verbinden poetische Feinheit mit einer außergewöhnlich unmittelbaren musikalischen Sprache. In Danyels Gesängen erscheinen Liebe und Verlust in unterschiedlichsten Schattierungen: zärtlich, verspielt, sehnsuchtsvoll und verzweifelt. Dowlands Werke gehören zu den eindringlichsten Zeugnissen des elisabethanischen Lautenliedes. Kompositionen wie „Flow my tears“, „Come again“ oder „Time stands still“ lassen aus wenigen musikalischen Mitteln ganze Gefühlswelten entstehen. Melancholie wird hier nicht bloß als Traurigkeit verstanden, sondern als kunstvoll kultivierter Zustand zwischen Erinnerung, Einsamkeit und innerer Versenkung.
Den Liedern stehen Solowerke für Laute gegenüber. Präludien, Pavanen, Galliarden, Toccaten und Passacaglien eröffnen eigene Klangräume und geben Thorsten Bleich Gelegenheit, die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten von Laute und Theorbe zu entfalten. Die Instrumente begleiten nicht nur die Singstimme, sondern treten als eigenständige Erzähler hervor: mal tänzerisch und virtuos, mal frei improvisatorisch, mal von stiller, meditativer Konzentration geprägt.
Nach der Pause führt das Programm nach Italien, wo sich um 1600 eine neue, am Ausdruck des Textes orientierte Musiksprache entwickelte. Bei Giulio Caccini, Girolamo Frescobaldi und Giovanni Girolamo Kapsberger rückt die einzelne Stimme ins Zentrum. Die Musik folgt dem Rhythmus der Sprache, verstärkt einzelne Worte und macht emotionale Wendungen unmittelbar hörbar. Caccinis berühmte „Amarilli mia bella“ verbindet schlichte melodische Schönheit mit einem innigen Liebesbekenntnis, während Frescobaldis Lieder zwischen tänzerischer Leichtigkeit, leidenschaftlicher Klage und dramatischer Zuspitzung wechseln.
Klaus Mertens zählt seit Jahrzehnten zu den profiliertesten Interpreten der Musik des Barock. Seine Textverständlichkeit, seine erzählerische Präsenz und seine besondere Gestaltungskraft treffen auf das farbenreiche Spiel Thorsten Bleichs, der auf Laute und Theorbe gleichermaßen als Begleiter und Solist zu erleben ist. Im intimen Zusammenwirken von Stimme und gezupften Saiten entsteht ein Konzertabend, der die feinen Nuancen dieser Musik hörbar macht.
„Canti amorosi“ erzählt von der Liebe in all ihren Erscheinungsformen – von Verlangen und Erfüllung, von Zurückweisung und Abschied, von der Flüchtigkeit des Augenblicks und dem Wunsch, die Zeit möge stillstehen.
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